Abenteuer Zentralasien: Auf Rundreise in Usbekistan

Letztes Jahr hätte ich vermutlich Probleme gehabt Usbekistan auf einer Landkarte zu identifizieren. Klar, davon gehört hatte ich schon mal – vor allem der zum Teil in Usbekistan gelegene Aralsee ist sicher vielen ein Begriff. Aber dann hörte es mit meinem Wissen über Usbekistan auch schon wieder auf.

Nun wollte ich Anfang 2020 unbedingt noch eine Reise unternehmen, bevor ich wieder für meine Arbeit als Reiseleiterin nach Südafrika zurückkehrte. Nur wohin? Irgendwie fehlte mir die Energie selbst eine Reise zu organisieren – kein Wunder, denn in meinem Job bin ich ständig für das Organisieren und Durchführen von Reisen verantwortlich. Ich wollte etwas Neues sehen, ein Abenteuer erleben. Aber ich hatte einfach keine Energie mehr übrig, um mir wie sonst üblich die Reise selbst zu planen. Eine Gruppenreise wollte ich auch nicht machen, da ich ja bereits einen Großteil des Jahres mit Reisegruppen verbringe, die ich in Südafrika begleite. Lustlos habe ich mich dann doch durch Gruppenreisen geklickt – Rajasthan, Burma, Costa Rica. So wirklich gereizt hat mich jedoch nichts davon.

Dann stellte ein Bekannter für mich spontan Kontakt mit DOCA Tours her und innerhalb weniger Tage stand fest: Ich fahre nach Usbekistan! DOCA Tours hat mir nach meinen Wünschen eine komplett private Reise zusammengestellt, die mich am Ende nicht mehr gekostet hat als eine Gruppenreise bei einem der einschlägig bekannten Veranstalter.

Und so habe ich diesmal wirklich fast alles anders gemacht: Eine organisierte Privatreise in einem für mich bisher komplett unberührten Teil der Welt. Und zum ersten Mal habe ich mich so wenig wie möglich im Vorhinein über mein Zielland informiert. Ich wollte Usbekistan unvoreingenommen entdecken, erleben, auf mich wirken lassen. Es war ein Experiment, das ich nicht bereut habe: So entspannt und begeistert wie auf meiner Reise durch Usbekistan war ich davor schon lange nicht mehr gewesen.

Der berühmte Registan in Samarkand

Warum lohnt sich eine Reise nach Usbekistan?

Usbekistan ist einfach anders. So anders. Das Land ist eine (in Ermangelung eines besseren Wortes) wahrlich ulkige Mischung verschiedenster Einflüsse. Usbekistan ist Ex-Sowjetstaat, aber gleichzeitig ist es auch ein überwiegend islamisches Land, hat starke asiatische Einflüsse und die Sprache Uzbek ist am nächsten mit dem Türkischen verwandt. Alles klar soweit? 😉

Bis 1991 war der Binnenstaat Teil der Sowjetunion und die Spuren davon bemerkt man auch nach wie vor. Russisch wird als Lingua Franca noch viel gesprochen und auch die sowjetische Plattenbau-Architektur ist häufig anzutreffen. Aber Plattenbau ist natürlich nicht alles, was Usbekistanzu bieten hat! Der wahre Hingucker in Usbekistan sind eindeutig die vielen Moscheen und Medressen (Schulen), deren Fassaden üppig mit bunten Fliesen geschmückt sind. Viele dieser Gebäude haben mich in Ehrfurcht innehalten und und über ihre detaillierte Gestaltung staunen lassen. Und dann gibt es da noch den Aralsee, oder besser: was davon übrig ist. Die Stadt Moynak, die einst am Ufer des Aralsees lag, ist heute nämlich 200km vom Wasser entfernt. Dafür gibt es in Moynak einen Schiffsfriedhof, der Fotografen wie mich begeistert.

Nicht nur große Teile des Aralsees sind trocken – insgesamt sind circa 2/5 der Landfläche Usbekistans mit Wüste bedeckt. Inmitten der endlos wirkenden Öde gibt es dennoch gleich mehrere lohnenswerte Stops, wie die Überreste diverser Lehmfestungen und ein zoroastrischer Bestattungsturm. Abenteurer können auch in einer traditionellen Jurte übernachten, so wie es die Nomadenvölker der Region schon vor Jahrhunderten getan haben.

Wanderbegeisterte wie ich kommen in Usbekistans kontrastreichen Bergregionen voll auf ihre Kosten. Bei den gastfreundlichen Menschen in den Nurata-Bergen habe ich länger verweilt als geplant und bin auf die Suche nach den seltenen Argali Wildschafen gegangen.

Ob auf dem Schiffsfriedhof in Moynak am Aralsee, in den alten Straßen und bunt gefliesten Gebäuden der Altstadt von Khiva oder bei den bedrohten Wildschafen in den Nurata-Bergen: Usbekistan ist wirklich einzigartig. Ich sehne mich schon sehr danach diese zentralasiatische Perle schon bald wieder bereisen zu können.

Chor Minor in Buchara

Wie viel Zeit sollte ich für eine Reise nach Usbekistan einplanen?

Die meisten Veranstalter bieten Usbekistan-Reisen zwischen 7 und 16 Tagen an. Ich war 20 Tage in Usbekistan und wäre an dem ein oder anderen Ort auch gerne noch länger geblieben. Du solltest mindestens drei Wochen zu bleiben, um die Hauptsehenswürdigkeiten des Landes in einem angemessenen Tempo zu bereisen.

Wie komme ich am besten nach Usbekistan?

Die usbekische Airline Uzbekistan Airways fliegt an mehreren Tagen in der Woche als Direktflug von Frankfurt nach Tashkent. Alternativ gibt es auch gute Flugverbindungen mit Aeroflot über Russland oder Turkish Airlines über die Türkei. Ich entschied mich für einen Flug mit Turkish Airlines, denn da konnte ich ohne Aufpreis einen Gabelflug buchen, der auf dem Hinflug von Frankfurt via Istanbul nach Tashkent ging, der Rückflug dann aber ab Samarkand. So musste ich nicht noch mal mit dem Zug oder Bus halb Usbekistan durchqueren, um nach Tashkent zurückzukommen.

Farbenfroh bemalte Holzdecken

Was ist die beste Reisezeit für Usbekistan?

Die Hauptreisezeit ist in Usbekistan zweigeteilt: Von April bis Mai und von September bis Anfang November zieht es die meisten Touristen ins Land. Im Juni, Juli und August ist es zu heiß – im Hochsommer kann es nämlich bis zu 45°C warm werden. Ab November ist es dann zu kalt, denn in den Wintermonaten herrscht in Usbekistan eine durchschnittliche Temperatur von -2°C – in den Bergen und dem Norden des Landes wird es aber noch deutlich kälter.

Wintereinbruch in den Nurata-Bergen

Ich war von Ende Februar bis Anfang März in Usbekistan und das war für mich die perfekte Reisezeit. Das Wetter war schon sehr gut und mit Jeans plus T-Shirt oder Pulli bin ich an fast allen Tagen gut ausgekommen. Geregnet hat es an einem Tag in fast drei Wochen und nur in den Nurata-Bergen ist es Anfang März 2020 noch mal so weit abgekühlt, dass es deutlich unter den Gefrierpunkt ging. Dafür hat es dann meiner Zeit in den Nurata-Bergen auch einen Tag geschneit – ein fantastisches Erlebnis, das zur Hauptreisezeit nicht möglich gewesen wäre! Und noch ein großer Vorteil der Nebensaison: Kaum Touristen! In Khiva und Buchara habe ich andere Touristen gesehen und auch mal die eine oder andere Reisegruppe, ansonsten hatte ich Großteile des Landes „ganz für mich“. 😀

Ist Usbekistan das richtigte Reiseziel für mich?

Usbekistan ist ein Schmelztiegel aus Kulturen, Religionen und Geschichte entlang der Seidenstraße. Ich schüttel immer noch in ungläubiger Begeisterung den Kopf, wenn ich an meine Zeit dort zurückdenke. Die üppig gefliesten Moscheen und Medressen haben mich immer wieder ins Staunen versetzt – ebenso wie die ausgesprochen gastfreundlichen Menschen. Außerdem ist Usbekistan ein sehr sicheres Land und auch wenn ich alleine unterwegs war habe ich mich nie unwohl gefühlt. Ebenfalls positiv: Die Lebenshaltungskosten in Usbekistan sind sehr niedrig. Tolle Unterkünfte gibt es zu wirklich fairen Preisen und für ein Essen habe ich eigentlich nie mehr als 5 Euro bezahlt.

Außerdem ist Usbekistan ein Land, in dem der Massentourimus noch nicht angekommen ist. Aber auch das ändert sich stetig: Im Januar 2019 hat Usbekistan die Visumspflicht für viele Länder abgeschafft, um den Tourismus anzukurbeln. Es ist also damit zu rechnen, dass die Touristenströme nach Usbekistan in Zukunft zunehmen werden. Und dass sich Usbekistan als Reiseziel wirklich absolut lohnt, das kann ich gar nicht genug betonen.

Gerade wenn du noch nicht in Zentralasien warst, dann ist Usbekistan das perfekte Land für den Anfang.

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+ Dieser Beitrag wurde nicht gesponsort, meine Rundreise durch Usbekistan und auch die Flüge habe ich komplett selbst bezahlt. +

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