Abenteuer Afrika: Mit dem Bus durch Botswana

Es ist kalt im Bus an diesem Morgen. Noch im Dunkeln verlassen wir Maun in Richtung Gaborone – eine Fahrt, die 9 Stunden verschlingen wird. Mindestens.

Meine Handschuhe, meine Wolldecke und mein Schlafsack sind in meiner Tasche im Gepäckfach des Busses verstaut – eine Entscheidung, die ich nun bitterlich bereue. So bleibt mir nur mein dünner Schal als notdürftige Decke. Ich versuche ein wenig Genugtuung darin zu finden, dass ich mein Langarmshirt entgegen meiner ursprünglichen Planung an diesem Morgen doch noch angezogen habe, ansonsten wäre ich jetzt vermutlich schon den Kältetod gestorben. Der Bus ist fast leer als wir Maun verlassen. Die anderen vier (einheimischen) Fahrgäste sind eindeutig besser vorbereitet als ich: mit Mützen und in Wolldecken eingewickelt haben sie es sich auf ihren Sitzen bequem gemacht.

Erst eineinhalb Stunden später, gegen 6.30, beginnt der Bus sich langsam zu füllen. Mit zunehmender Personenzahl steigt auch der Lärmpegel im Bus, die Stimmung ist überraschend ausgelassen. Ein paar ältere Herren unterhalten sich angestrengt, einige jüngere Fahrgäste blicken mit gesenktem Kopf auf die Bildschirme ihrer Handys. Hier und da wird gelacht. Während der ein oder andere sich die mitgebrachte Wolldecke über den Kopf zieht, um noch etwas zu schlafen, zieht eine geschaftstüchtige Frau in der Reihe vor mir eine Packung Champion Toffee aus der Tasche und beginnt lautstark diese anzupreisen. Viele Kunden findet sie nicht, aber der Tag ist ja auch noch jung.

Symbolbild – Batswana mit Kind, aufgenommen im Okavango Delta

Immer wieder steigen Leute ein und aus und ich frage mich langsam, wie der Kassierer den überblick behält, wer bereits bezahlt hat und wer nicht. Scheinbar wahllos hält der Bus am Straßenrand, mal ist er ganz plötzlich rappelvoll, dann wird es wieder etwas leerer. Manch einer bezahlt direkt beim Einsteigen, andere beim Aussteigen, wieder andere setzen sich erst einmal irgendwo hin. Schließlich bin ich an der Reihe: 190 Pula (ca. 15 Euro) für gut 10 Stunden Busfahrt quer durch Botswana. Das ist der gängige Preis, auch für Einheimische. Am Ende bin ich aber doch die Einzige im Bus, die 190 Pula bezahlt hat – die Einheimischen sind anscheinend nicht so verrückt wie ich und fahren nur Teile der Gesamtstrecke mit dem Bummelbus. Bequem ist diese Fahrt nämlich wirklich nicht, die Busse sind alt und in einer Sitzreihe sind nicht drei oder vier, sondern fünf schmale Sitzplätze. Auf manchen Streckenabschnitten wird es so voll, dass sogar im Mittelgang überall noch Leute stehen.

An den Haltestellen verwandelt sich der Bus schlagartig in einen Markt, denn dann steigt eine scheinbar nicht abreißende Schlange an Händlern in den Bus ein. Ob die den Fahrplan des Busses kennen? Gibt es überhaupt einen Fahrplan oder warten die Händler einfach am Straßenrand, weil irgendwann schon ein Bus mit Kundschaft vorbeifahren wird?  Schnell drängen sich gut 20 Händler dicht an dicht im Gang des Busses und bieten ihre Waren an: kühles Wasser, Cola, Erdnüsse, Bananen, Handyguthaben und sogar Hähnchen mit Pommes vom Imbiss um die Ecke. So plötzlich wie das Schauspiel beginnt, so schnell ist es auch wieder vorbei und der Bus fährt weiter.

Symbolbild – Magwenya (in Fett ausgebackene Teigbällchen) sind ein typischer Snack in Botswana

Bei einem späteren Stop sieht mich eine ältere Händlerin, die im Bus Kaugummis und Handyguthaben verkaufen will. Sie bleibt bei mir stehen, lächelt und streichelt begeistert meine „so weiße“ Wange. Auch ein paar der anderen Händler sprechen mich an, als einzige Ausländerin in dem Bus falle ich wirklich auf. Doch zu keinem Zeitpunkt fühle ich mich in irgendeiner Weise unwohl, denn die Batswana sind ein wahrlich freundliches und hilfsbereites Volk. Auf den letzten Kilometern der Fahrt kann ich es kaum noch ertragen in diesem engen, vollen Bus zu sitzen, doch meine Sitznachbarin spricht mir Mut zu: „Almost there“, sagt sie – fast geschafft. Wir unterhalten uns kurz darüber, wie es für sie und mich bei der Ankunft in Gaborone weitergehen wird und sie gibt mir ein paar Tipps, wie ich vom Busbahnhof am besten zum Flughafen kommen kann. „Kealeboga“, sage ich auf Setswana zu ihr. Sie lächelt mich überrascht an. Kealeboga ist eines der wenigen Wörter Setswana, die ich sprechen kann – es heißt „Danke“.

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