Wenn Couchsurfing schief geht: Ausgesetzt in Südafrika

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Erst seit fünf Tagen bin ich zurück in Südafrika, aber es ist bereits so viel passiert, dass es mir wie Wochen vorkommt. Ich war so aufgeregt, endlich wieder hier zu sein, aber bereits nach wenigen Tagen schlug diese Aufregung aufgrund eines unangenehmen Vorfalls in puren Stress um:

Am Tag nach meiner Ankunft in Johannesburg habe ich mich mit einem Couchsurfer getroffen, mit dem ich den Wochen davor geschrieben hatte. Er hatte auf Couchsurfing nach einem Reisepartner gesucht und so trafen wir uns vor fünf Tagen in Nelspruit, um von dort aus unsere gemeinsame Reise mit einem Abstecher nach Swaziland zu beginnen. Bisher habe ich mit Couchsurfing eigentlich nur gute Erfahrungen gemacht – habe spannende Leute bei mir gehostet, durfte bei fürsorglichen Gastgebern übernachten und bin mit Gleichgesinnten gereist. Dieses mal war das jedoch alles nicht der Fall.

Von Anfang an hatte ich das Gefühl, dass der Couchsurfer und ich nicht so richtig “klicken” und auch nach einigen Tagen war er mir gegenüber noch immer nicht im Geringsten aufgewärmt. Immer wieder erwischte ich mich dabei, wie ich dachte: “Irgendwie ist der Typ seltsam. Ich kann überhaupt nicht einschätzen, wie er tickt. Mit dem werde ich nach dieser Reise wohl eher nicht in Kontakt bleiben.” Trotzdem blieb ich höflich, so haben es mir meine Eltern schließlich beigebracht, hielt mich an Absprachen und konzentrierte mich ansonsten hauptsächlich auf die vielen Tiere, die uns bei den Fahrten durch Swazilands Parks begegneten.

Mlilwane, Swaziland

Fotostop am ersten gemeinsamen Morgen in Mlilwane, Swaziland

Vor zwei Tagen dann aber, als wir gerade im Mietwagen auf dem Weg zu einem Grenzübergang zwischen Swaziland und Südafrika waren, ließ er dann die Bombe platzen: Er war eigentlich gar nicht auf der Suche nach einer Reisebegleitung gewesen, sondern wollte nur jemanden mitnehmen, damit sich für ihn die Kosten für den Mietwagen halbieren. Als wir uns dann trafen hat er aber relativ schnell gemerkt, dass er auf andere Menschen eigentlich gar keine Lust hat – er wollte einfach nur Geld sparen. Damit bestätigte er mein schlechtes Bauchgefühl, nachdem wir über Tage hinweg einfach keine Gemeinsamkeiten im Gespräch finden konnten und er teilweise nicht nur desinteressiert, sondern sogar hämisch und unfreundlich auf mich reagiert hat.

Kinder in Swaziland

Da wirkte alles noch in Ordnung: Am Morgen unseres letzten gemeinsamen Reisetages unterhalten wir uns mit Kindern in Swaziland.

Das, was dann kam, hätte ich aber niemals erwartet: Er hatte es plötzlich so dringend mich loszuwerden, dass er mich gleich hinter dem Grenzübergang in der erstbesten Stadt aussetzen wollte. Ich sprach mich dagegen aus, da ich von der ganzen Situation ziemlich überrumpelt war und nicht einmal Guthaben auf meinem Handy hatte, um nach einer Unterkunft für die Nacht zu suchen. In Pangola, der nächsten Ortschaft, hielten wir dann auch kurz an einer Tankstelle und wieder sprach er an, dass er mich hier gerne absetzen würde. “Hier gibt es sicher irgendwo ein Gästehaus und morgen fährt auch sicher irgendwo ein Bus hin. Stell dich nicht so an, das ist ja wohl nicht so schwierig.”, sagte er immer wieder. Kurz bevor er das sagte hatten wir uns gerade damit abgewechselt in die Tankstelle zu gehen, da er die Gegend zu zwielichtig fand, um das Auto unbeaufsichtigt zu lassen. Und genau da wollte er mich jetzt mitten in der Nacht aussetzen. Ich wehrte mich und bestand darauf zum nächsten geplanten Stop mitgenommen zu werden: der Ithala Game Reserve. Widerwillig und immer schlechter gelaunt nahm er mich dann doch noch bis dort hin mit und wir warteten schweigend, bis das Eingangstor am Morgen geöffnet wurde. Zwischenzeitlich hatte ich meine Sachen zusammengepackt und sobald ich an der Rezeption ausgestiegen war drehte er sich wortlos um und ging davon – wohl wissend, dass er eine junge Frau gerade in einem fremden Land ausgesetzt hat, in dem Kriminalität leider noch immer an der Tagesordnung steht.

Ich wusste zwar, dass ich in der Ithala Lodge sicher bin, aber ich hatte kein Auto mehr und die nächste Stadt mit Busanbindung war über 50 km entfernt.

4 Responses

  1. Peter

    Oh man. Das ist natürlich totale Scheiße. Zumal man für so etwas auch schlecht einen Plan B haben kann. Wie lief denn die Kommunikation vorher ab? Hat sich das schon abgezeichnet oder kam das erst beim Treffen so komisch?
    Bitte hinterlass ihm eine negative Referenz, denn das geht eigentlich gar nicht. Auch auf die Gefahr hin, dass Du dann eine bekommst. Schreib sie nüchtern und sachlich, dann hilft das auch anderen.
    Hoffe Deine Reise wird wieder besser!

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    • Herumtreiberin

      Ja, das ist echt dumm gelaufen. Die Kommunikation vorher lief super – haben zig E-Mails ausgetauscht und Details der Reise abgesprochen.
      Eine Referenz werde ich auf jeden Fall hinterlassen – aktuell möchte ich die ganze Sache aber noch etwas sacken lassen und dann bei Couchsurfing etwas dazu schreiben, wenn ich mehr Abstand zu der ganzen Aktion gewonnen habe. Aktuell ist meine Reise wieder super – die Südafrikaner sind ein sehr gastfreundliches Volk und ich wurde von ein paar netten Leuten “gerettet”. :)

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  2. Nadine

    Hey :-) das ist natürlich blöd. Hast du ansonsten irgendwelche Erfahrungen mit Couchsurfen in Südafrika?
    Also ich bin leidenschaftliche Backpackerin und ebenso Couchsurfing :) hab´s bisher in Thailand und Europa gemacht. Ich kann nicht einschätzen wie´s in Südafrika ist, was meinst du? :-)

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